Sonntag, 18. Oktober 2015

Zuhören...

Wie jede Woche sitze ich auch an diesem Nachmittag wieder in der spartanisch eingerichteten Wohnung. Erst kam ich um ihnen deutsch beizubringen. Jetzt, um ihre Sorgen anzuhören, ihre Wochenplanung und Termin durchzugehen, ihre Fragen zu beantworten und... Deutsch mit Ihnen zu lernen.

Der Unterricht ist längst nicht mehr das Einzige, was ich für die drei tun kann und will.
Sie beginnen mir, von ihrem Land und dem Leben, das sie zurückgelassen haben zu erzählen.
Von schönen Zeiten, vor langer Zeit.
Und nach und nach erfahre ich, wie sie zu uns kamen, welche Strapazen sie auf sich nehmen mussten. Welche Gefahren zu überwinden waren. Das alles hat Spuren hinterlassen: Alpträume in der Nacht, Angst vor den Menschen.

Ich sitze an ihrem Tisch, sehe die Traurigkeit hinter ihrem Lächeln. Die Tränen der Trauer.
Und das Einzige was ich in diesem Moment für sie tun kann: zuhören.

Kommentare:

  1. Danke! Endlich mal jemand der aus "wir schaffen das" ein "wir machen das" gemacht hat. Auch wenn es nicht unbedingt leicht ist.
    Lieber Gruß
    Bea

    AntwortenLöschen
  2. Wow! Jetzt komm ich mir ganz furchtbar klein vor. Danke, dass du unterwegs bist. Machst, da bist und zuhörst!

    AntwortenLöschen